Wann dür­fen öffent­li­che Arbeit­ge­ben­de Per­so­nal ver­set­zen? 5 Fra­gen und Ant­wor­ten

Datum: 

25.08.2026

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Ver­set­zung im öffent­li­chen Per­so­nal­recht: fünf Fra­gen und Ant­wor­ten

1. Was gilt als Ver­set­zung?

Nicht jede Ände­rung des Arbeits­ein­sat­zes ist eine Ver­set­zung im Rechts­sinn. Sie erfolgt ein­sei­tig auf Ver­an­las­sung der Behör­de und in der Regel gegen den Wil­len der betrof­fe­nen Per­son. Unter­ge­ord­ne­te Ände­run­gen des Auf­ga­ben­ge­biets, Zustän­dig­keits­klä­run­gen oder kon­kre­te Arbeits­zu­wei­sun­gen kön­nen inter­ne Wei­sun­gen blei­ben. Geht die Anord­nung dage­gen über die gewöhn­li­che Tätig­keit hin­aus – etwa durch ein wesent­lich neu­es Auf­ga­ben­ge­biet, einen ande­ren Arbeits­ort oder eine tie­fer bewer­te­te Funk­ti­on –, liegt eher eine eigent­li­che Ver­set­zung vor.

2. Wann ist eine orga­ni­sa­to­ri­sche Ver­set­zung zuläs­sig?

Mass­ge­bend ist das jewei­li­ge Per­so­nal­sta­tut. Regel­mä­ssig ver­langt es ein dienst­li­ches Erfor­der­nis und Zumut­bar­keit. Der Anwen­dungs­be­reich ist weit: Reor­ga­ni­sa­ti­on oder Umstruk­tu­rie­rung, wirt­schaft­li­cher Per­so­nal­ein­satz, aber auch per­so­nel­le Span­nun­gen oder beson­de­res Ver­hal­ten kön­nen eine Ver­set­zung recht­fer­ti­gen, wenn der Ver­wal­tungs­be­trieb dies erfor­dert. BGE 108 Ib 419, E. 2a steht für die­se wei­te Kon­zep­ti­on. Bei­spiel Zürich: Nach § 28 PG/ZH kann ver­setzt wer­den, wenn es der Dienst oder der wirt­schaft­li­che Per­so­nal­ein­satz erfor­dern; die Ver­set­zung muss zumut­bar sein.

Nicht zumut­bar ist eine Ver­set­zung nament­lich, wenn die neue Tätig­keit nur noch wenig mit der bis­he­ri­gen zu tun hat oder Zustän­dig­kei­ten und Kom­pe­ten­zen so stark beschnit­ten wer­den, dass die neue Funk­ti­on objek­tiv eine wesent­li­che Abwer­tung dar­stellt (VGer ZH PB.2010.00042 vom 9. Febru­ar 2011, E. 2.2).

3. Orga­ni­sa­to­risch oder dis­zi­pli­na­risch?

Die orga­ni­sa­to­ri­sche Ver­set­zung dient dem funk­tio­nie­ren­den Ver­wal­tungs­be­trieb; die dis­zi­pli­na­ri­sche Ver­set­zung sank­tio­niert eine Pflicht­ver­let­zung. Bei­de Berei­che kön­nen sich über­schnei­den. Eine orga­ni­sa­to­ri­sche Ver­set­zung darf aber nicht bloss vor­ge­scho­ben wer­den, um ein Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren zu umge­hen. Ent­schei­dend ist der tat­säch­li­che Zweck der Mass­nah­me und eine trans­pa­ren­te Begrün­dung.

4. Wann ist eine Ver­set­zung anfecht­bar?

Ent­schei­dend ist, ob die Mass­nah­me über einen inter­nen Orga­ni­sa­ti­ons­akt hin­aus in die Rechts­stel­lung der ange­stell­ten Per­son ein­greift. Nach BGE 136 I 323, E. 4.4 ist ein inter­ner Orga­ni­sa­ti­ons­akt grund­sätz­lich nicht anfecht­bar; betrifft die Anord­nung dage­gen Rech­te und Pflich­ten des Bedien­ste­ten, liegt eine Ver­fü­gung nahe. Das Bun­des­ge­richt hält aus­drück­lich fest, dass auch eine nicht dis­zi­pli­na­ri­sche Ver­set­zung grund­sätz­lich anfecht­bar sein kann (BGE 136 I 323, E. 4.6). Eine dis­zi­pli­na­ri­sche Ver­set­zung ergeht dem­ge­gen­über regel­mä­ssig in Ver­fü­gungs­form.

In BGer 1C_102/2026 vom 19. Juni 2026, E. 1.1 betraf die Ver­set­zung eine tie­fer ent­löhn­te Funk­ti­on und damit eine ver­mö­gens­recht­li­che öffent­lich-recht­li­che Strei­tig­keit.

5. Ver­set­zung statt Kün­di­gung, Art. 36 Abs. 3 BV?

Vor einer Kün­di­gung kann zu prü­fen sein, ob eine Ver­set­zung oder ander­wei­ti­ge Wei­ter­be­schäf­ti­gung als mil­de­re Mass­nah­me mög­lich und zumut­bar ist. Das Bun­des­ge­richt ver­steht die Ver­set­zung als Aus­druck des Ver­hält­nis­mä­ssig­keits­prin­zips nach Art. 36 Abs. 3 BV (BGer 1C_611/2025 vom 20. März 2026, E. 2.2; BGer 1C_102/2026 vom 19. Juni 2026, E. 3.3). In BGer 1C_102/2026 wur­de die Ver­set­zung gera­de des­halb geschützt, weil sie anstel­le einer zunächst erwo­ge­nen Kün­di­gung erfolg­te.

Quel­len­aus­wahl

Abe­gg, Andre­as / Sefero­vic, Goran / Vöge­li Gal­li, Andrea (Hrsg.), Per­so­nal­recht in der Schweiz, Zürich 2026

Per­so­nal­amt des Kan­tons Zürich, Hand­buch Per­so­nal­recht: Versetzung/Funktionswechsel, mit Vor­aus­set­zun­gen, Zumut­bar­keit und Muster­ver­fü­gun­gen

Bür­gi, Urs/­Bür­gi-Schnei­der, Gud­run (Hrsg.), Hand­buch Öffent­li­ches Per­so­nal­recht, Zürich 2017; für das Bun­des­per­so­nal­recht neu auch Bd. 1: Bund, 2. Aufl., Zürich 2024.