BVGer, Abtei­lung I, A‑4885/2023, Urteil vom 10. Janu­ar 2025

Datum: 

29.07.2025

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Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Abtei­lung I, A‑4885/2023, Urteil vom 10. Janu­ar 2025

Am 12. Juni 2023 wur­de die Per­so­nal­ab­tei­lung des Armee­stabs dar­über infor­miert, dass eine ehe­ma­li­ge Ler­nen­de dem Mit­ar­bei­ter A. (Beschwer­de­füh­rer) in der Ver­gan­gen­heit unan­ge­mes­se­nes Ver­hal­ten vor­warf. In einer Befra­gung am 16. Juni 2023 gab die Mit­ar­bei­te­rin zu Pro­to­koll, der Beschwer­de­füh­rer habe sich ihr zwi­schen 2020 und 2021 auf ver­schie­de­ne Wei­se unan­ge­mes­sen per Whats­App-Nach­rich­ten genä­hert. Der Beschwer­de­füh­rer wur­de am 17. Juli 2023 über die Vor­wür­fe und die beab­sich­tig­te frist­lo­se Kün­di­gung infor­miert. Er nahm am 7. August 2023 dazu Stel­lung. Mit Ver­fü­gung vom 11. August 2023 löste der Armee­stab das Arbeits­ver­hält­nis mit ihm frist­los auf und stell­te die Lohn­zah­lung ein. Das voll­stän­di­ge Gesprächs­pro­to­koll mit der sich beschwe­ren­den Mit­ar­bei­te­rin wur­de dem Beschwer­de­füh­rer erst nach der frist­lo­sen Kün­di­gung am, 15. Novem­ber 2023, mit der Ver­nehm­las­sung der Vor­in­stanz zuge­stellt.

Der Beschwer­de­füh­rer erhob am 12. Sep­tem­ber 2023 Beschwer­de beim Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt und bean­trag­te die Auf­he­bung der Kün­di­gung, sei­ne Wei­ter­be­schäf­ti­gung oder eine Ent­schä­di­gung von neun Monats­löh­nen.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt (BVGer) bejaht auf­grund der spä­ten Zustel­lung des voll­stän­di­gen Gesprächs­pro­to­kolls zwar eine Ver­let­zung des recht­li­chen Gehörs, qua­li­fi­ziert die­se jedoch als heil­bar, da das Pro­to­koll kei­ne neu­en ent­scheid­re­le­van­ten Infor­ma­tio­nen ent­hielt. Dem Beschwer­de­füh­rer spricht es gestützt auf Art. 34b Abs. 1 Bst. a BPG ledig­lich eine Ent­schä­di­gung von zwei Monats­löh­nen zu.

Die frist­lo­se Kün­di­gung wird mate­ri­ell gestützt auf Art. 10 Abs. 4 BPG i.V.m. Art. 337 Abs. 2 OR als gerecht­fer­tigt beur­teilt. Das BVGer qua­li­fi­ziert die Nach­rich­ten als wie­der­hol­te, uner­wünsch­te sexu­el­le Belä­sti­gung, wel­che die Wür­de der Ler­nen­den ver­letz­ten. Es ver­weist auf das erheb­li­che Macht­ge­fäl­le (Alters­un­ter­schied von 16 Jah­ren), die beson­de­re Für­sor­ge­pflicht gegen­über Ler­nen­den (Art. 14 Abs. 1 BBG i.V.m. Art. 355 OR und Art. 328 Abs. 1 OR) sowie die ver­stärk­te Treue­pflicht­ver­let­zung, da der Armee­stab auch Bil­dungs­trä­ger war. Mil­de­re Mass­nah­men erschei­nen ange­sichts des aus­ge­präg­ten, irrepa­ra­blen Ver­trau­ens­bruchs als untaug­lich. Die Kün­di­gung wird auch unter dem Aspekt der Ver­hält­nis­mä­ssig­keit (Art. 5 Abs. 2 BV) als ulti­ma ratio bestä­tigt.

Auch der Ein­wand des Beschwer­de­füh­rers, die Reak­ti­ons­frist sei über­schrit­ten wor­den, bleibt erfolg­los: Der Zeit­raum von der Mel­dung (12. Juni 2023) bis zur Kün­di­gung (11. August 2023) sei ange­sichts der deli­ka­ten The­ma­tik und der Abklä­rungs­pflicht im öffent­li­chen Dienst ver­tret­bar.