Ver­weis nach Teil­nah­me an Repor­ta­ge — Bun­des­ge­richt, I. öffent­lich-recht­li­che Abtei­lung, Urteil 1D_1/2024 vom 21. Febru­ar 2025 (f)

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25.08.2025

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Gen­fer Pfle­ge­fach­per­son spricht öffent­lich in den Medi­en — Bun­des­ge­richt bestä­tigt dis­zi­pli­na­ri­sche Mass­nah­me

Das Bun­des­ge­richt bestä­tigt die dis­zi­pli­na­ri­sche «blâme»,wohl ver­gleich­bar mit einem Ver­weis (erlas­sen in Genf mit­tels Ver­fü­gung), einer Pfle­ge­fach­per­son einer öffent­li­chen Insti­tu­ti­on, die ohne vor­gän­gi­ge inter­ne Erlaub­nis an einer Repor­ta­ge des Radio Télé­vi­si­on Sui­s­se (RTS) teil­nahm und dabei Erklä­run­gen zu inter­nen Struk­tu­ren der Insti­tu­ti­on abgab.

Anmer­kung:

  • Dis­zi­pli­na­ri­sche Son­der­vor­schrif­ten in Genf: Der Kan­ton Genf kennt im Unter­schied zu den mei­sten Kan­to­nen (u.a. in Zürich etwa weit­ge­hend abge­schafft ) – im Per­so­nal­recht wei­ter­hin dis­zi­pli­na­ri­sche Son­der­vor­schrif­ten mit beson­de­ren Ver­fah­rens­re­geln; die dis­zi­pli­na­ri­sche Ent­las­sung ist eben­falls wei­ter­hin vor­ge­se­hen und setzt eine admi­ni­stra­ti­ve Unter­su­chung vor­aus. Rechts­grund­la­ge: Loi géné­ra­le [de la Répu­bli­que et can­ton de Genè­ve] du 4 décembre 1997 rela­ti­ve au per­son­nel de l’ad­mi­ni­stra­ti­on can­to­na­le, du pou­voir judi­ciai­re et des éta­blis­se­ments publics médi­caux (ins­be­son­de­re die Art. 16 und 27 ff. LPAC; rs/GE B 5 05)
  • Begriff­li­ches zur Treue­pflicht im öffent­li­chen Dienst: Die Treue­pflicht ist weder auf kan­to­na­ler noch auf Bun­des­ebe­ne gesetz­lich defi­niert. Teil­wei­se wird vor­ge­schla­gen, sie als «Inter­es­sens­wah­rungs­pflicht» zu bezeich­nen (Andrea Hüs­mann, Dis­zi­pli­na­ri­sche Ver­ant­wort­lich­keit im öffent­li­chen Dienst, Ana­ly­se der gesetz­li­chen Rege­lung im Bund und im Kan­ton Zürich, 2014, S. 209). Sie ver­pflich­tet Staats­an­ge­stell­te, über die Arbeits­lei­stung hin­aus die Inter­es­sen des Gemein­we­sens zu wah­ren. Ihre Trag­wei­te ist unbe­stimmt und muss im Ein­zel­fall durch Inter­es­sen­ab­wä­gung bestimmt wer­den. Die Mei­nungs­äu­sse­rungs­frei­heit kann dadurch ein­ge­schränkt sein; die Pflicht erstreckt sich auch auf ausser­dienst­li­ches Ver­hal­ten (BGE 136 I 332 ff.).
  • Treue­pflicht im öffent­li­chen Dienst vs. im pri­va­ten Arbeits­recht: Staats­an­ge­stell­te unter­ste­hen einer höhe­ren Treue­pflicht. Sie müs­sen Hand­lun­gen und Äusse­run­gen ver­mei­den, die das Ver­trau­en der Öffent­lich­keit in die Insti­tu­ti­on unter­gra­ben könn­ten. Dies gilt auch ausser­halb der Arbeits­zei­ten, beson­ders für Per­so­nen mit Vor­bild­funk­ti­on. Pri­va­te Arbeit­neh­men­de müs­sen im Rah­men der Treue­pflicht vor allem dar­auf ach­ten, dem Arbeit­ge­ber kei­nen wirt­schaft­li­chen Scha­den zuzu­fü­gen.