Bun­des­ge­richt: Kei­ne Ver­set­zungs­pflicht vor Kün­di­gung bei ex ante aus­sichts­lo­ser Wei­ter­be­schäf­ti­gung

Datum: 

21.04.2026

Kategorien: 

BGer, Urteil 1C_611/2025 v. 20.3.2026 

Darf die Behör­de vor Aus­spruch einer Kün­di­gung auf eine inter­ne Ver­set­zung ver­zich­ten?

Ja, sofern die Ver­set­zung ex ante als aus­sichts­los erscheint.

Aus­gangs­la­ge (E. A ff.):

  • Eine lang­jäh­ri­ge Gen­fer Ange­stell­te (seit 1994), noch nach altem Per­so­nal­recht zur Beam­tin ernannt, mit wie­der­hol­ten Lei­stungs­pro­ble­men.
  • Zusätz­lich griff sie mehr­fach unbe­fugt auf sen­si­ble HR-Daten von Kol­le­gen zu.
  • Nach geschei­ter­ter frist­lo­ser Kün­di­gung folg­te eine ordent­li­che Kün­di­gung – ohne vor­gän­gi­ge inter­ne Ver­set­zung.
  • Die gekün­dig­te Mit­ar­bei­te­rin gelang­te mit Beschwer­de in öffent­lich-recht­li­chen Ange­le­gen­hei­ten an das Bun­des­ge­richt und ver­lang­te ins­be­son­de­re die Wei­ter­be­schäf­ti­gung, even­tua­li­ter eine Ent­schä­di­gung im Umfang von 24 Monats­löh­nen nebst Zins.

Aus den Erwä­gun­gen (E. 1 ff.)

  • Das Bun­des­ge­richt hält fest, dass der Anspruch auf inter­ne Ver­set­zung vor einer Kün­di­gung Aus­fluss des Ver­hält­nis­mä­ssig­keits­prin­zips (Art. 36 Abs. 3 BV) ist. Staats­an­ge­stell­te haben dar­auf grund­sätz­lich Anspruch.
  • Im Bereich des kan­to­na­len Rechts prüft das Bun­des­ge­richt nur unter dem Blick­win­kel der Will­kür. Den­noch ver­langt das Ver­hält­nis­mä­ssig­keits­prin­zip selbst bei Vor­lie­gen eines sach­li­chen Kün­di­gungs­grun­des grund­sätz­lich die Prü­fung einer Ver­set­zung, es sei denn, die­se erscheint ex ante als aus­sichts­los. Pro­ble­me dür­fen nicht ein­fach intern wei­ter­ge­scho­ben wer­den; erfor­der­lich sind rea­le Inte­gra­ti­ons­chan­cen (vgl. Adri­en Renaud, Le droit du per­son­nel de l’État, 2026, S. 277).
  • Im kon­kre­ten Fall ergibt die Pro­gno­se, dass eine Ver­set­zung die bestehen­den Lei­stungs­de­fi­zi­te, Ver­hal­tens­pro­ble­me und den Ver­trau­ens­bruch (unbe­fug­te Daten­zu­grif­fe im HR-Bereich) nicht behebt. Eine Ver­set­zung wür­de die Pro­ble­me ledig­lich ver­la­gern. Das Bun­des­ge­richt erach­tet den Ver­zicht auf eine Ver­set­zung daher als zuläs­sig.
  • Das Bun­des­ge­richt weist die Beschwer­de ab.